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Veranstaltungen
Alle Veranstaltungen finden in der Buchhandlung89, Grünberger Straße 84 in Berlin-Friedrichshain statt. Der Eintritt ist frei. Unter veranstaltungen@buchhandlung89.de können Sie uns gern Ihre Fragen, Anregungen und auch Kritik mitteilen.
Donnerstag, 02. September 2010, 19:00 Uhr
B U C H L E S U N G
Erika Riemann
"Die Schleife an Stalins Bart" "Stalins Bart ist ab" Ein Mädchenstreich, acht Jahre und die Zeit danach
Lesung und Gesprächsabend mit der Autorin Erika Riemann
In ihrem Buch „Die Schleife an Stalins Bart - Ein Mädchenstreich, acht Jahre Haft und die Zeit danach“ beschreibt Erika Riemann ihre Geschichte ihrer gestohlenen Jugend und einer Befreiung aus den Mauern des Schweigens. "Ich hatte immer das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen", sagte Erika Riemann in einem 1991 in der Frankfurter Rundschau erschienenen Porträt. Erst über fünfzig Jahre später hat sie die Sprache gefunden. um über ihre Erlebnisse zu berichten.
Spätherbst 1945 im thüringischen Mühlhausen: Erika Riemann ist vierzehn Jahre alt, als sie eines Tages mit ein paar anderen Jugendlichen ihre gerade wieder hergerichtete Schule besichtigt. Ihr Blick fällt auf ein Stalin-Bild genau an der Stelle, an der bis vor kurzem ein Hitler-Porträt hing. "Mit dem Spruch ,Du siehst ja ziemlich traurig aus`", schreibt sie, "trat ich an das Bild heran und malte mit dem Lippenstift eine kecke Schleife um den Schnauzbart." Jemand muss sie verpfiffen haben, denn schon kurze Zeit später beginnt für Erika eine achtjährige Odyssee durch ostdeutsche Zuchthäuser und Lager mit Stationen wie Bautzen, Sachsenhausen und Hoheneck. Was für sie bedeutete, eine ganze Jugend hinter Mauern zu verbringen, Prügel, Schikane, Hunger und Depression durchzustehen und nach der Entlassung zutiefst traumatisiert im bundesdeutschen Wirtschaftswunder ihre Frau zu stehen, darüber schreibt Erike Riemann in ihrem Buch. Ein erschütternder Lebensabschnitt aus der jüngsten deutschen Vergangenheit.
In ihrem 2010 erschienen Buch „Stalins Bart ist ab – Von Bautzen zum Bundesverdienstkreuz“ geht Erika Riemann den Fragen nach, wie man mit den Traumatas und den inneren Verletzungen umgeht, die die Jahre in Zuchthäusern angerichtet haben? Die Antwort: Nur reden hilft. »Wenn ich meinen Zuhörern sage, dass ich nicht weitersprechen kann, versteht das jeder. Sie begreifen auch ohne Worte, wie tief solche Erlebnisse ins Leben schneiden. In den Jahren der Haft haben sie mich so schmutzig gemacht. Mit Blicken, mit Worten, mit Gesten. Das wird man nie wieder los.«
Die Schleife an Stalins Bart hat Erika Riemann zu einer öffentlichen Person gemacht, die seit Erscheinen des Buches zu zahllosen Veranstaltungen, Lesungen, Talkshows eingeladen wurde, Berge von Briefen erhalten hat und im November 2009 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam. Sie ist zu einer Dauerreisenden in Sachen Vergangenheitsbewältigung geworden, der es gelingt, die Menschen aus ihrem Schweigen über eigene traumatische Erfahrungen zu locken. Ihr Motto: »Die Wahrheit muss raus.« In ihrem neuen Buch berichtet sie über diese so schwierige wie lohnende Arbeit, sich den jahrzehntelang verdrängten Erinnerungen an erlittenes SED-Unrecht zu stellen. Sie spricht von sich, aber für viele. -- Autorenportrait:
Erika Riemann wurde am 25. Dezember 1930 in Mühlhausen/Thüringen in einer Arbeiterfamilie geboren und ging dort bis zu ihrem 14ten Lebensjahr in die Schule. 1945 kam sie ohne Schulabschluss in Gefangenschaft. Sie verbrachte die Jahre 1946 bis 1954 in Gefängnissen und Lagern wie Bautzen, Sachsenhausen und Hoheneck. Drei Mal war Erika Riemann insgesamt verheiratet und hat drei Kindern, zwei Söhnen und einer Tochter, das Leben geschenkt. Sie hat in den unterschiedlichsten Jobs gearbeitet und holte 1962 ihren Schulabschluss nach. Seit vielen Jahren führt Erika Riemann Zeitzeugengespräche und betreibt Aufklärung in Schulen im gesamten Bundesgebiet. 2009 wurde sie für "Engagement für Freiheit und Demokratie und für die Aufarbeitung des SED-Unrechts" mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sie lebt heute in Hamburg.
Vergangene Veranstaltungen
Donnerstag, 27. Mai 2010, 19:00 Uhr
B U C H L E S U N G
Torsten Schulz "Boxhagener Platz" und "Revolution und Filzläuse"
Lesung und Gesprächsabend mit dem Autor Torsten Schulz
Wer anders als Oma Otti könnte mit fast achtzig noch ans Heiraten denken?! Dabei ist der sechste Ehemann noch gar nicht unter der Erde. In diesem Auf und Ab der Verwirrungen wird schließlich Fisch-Winkler mit einer Bierflasche erschlagen – ein Mord, der das Leben auf dem Boxhagener Platz gründlich auf den Kopf stellt. Der mit lakonischen Witz und feiner Ironie durchzogene Roman „Boxhagener Platz“ taucht ab ins tiefe Ostberlin des Jahres 1968: Die Studentenrevolte im Westen, der erste Kuss, Boxen und Fussballspielen, eine fidele Großmutter, die Expertin für Scheintod und Gegnerin des Zickenbarts Walter Ulbricht ist, und nicht zuletzt ein ehemaliger Spartakuskämpfer als zukünftiger Großvater – die Welt um den Boxhagener Platz ist schillernd, doppelbödig und alles andere als langweilig.
"Eine intelligente und ungeheuer komische Ost-Burleske." Berliner Zeitung
Liebe und Verrat in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche, Verheißungen des Lebens, die sich nicht so erfüllen wie erträumt: Torsten Schulz wirft in dem Erzählband „Revolution und Filzläuse“ Schlaglichter auf große und kleine Revolutionen, auf außerordentliche Begebenheiten im Leben ganz verschiedener Figuren. Dabei durchquert er in diesen 12 Erzählungen die deutsche Geschichte, vom Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und die DDR bis hinein in unsere Gegenwart. Er berichtet vom Feuermelder, einer Friedrichshainer Eckkneipe, die schon sein Vater nie betrat; von einem ehemaligen Lehrer für Marxismus-Leninismus, der eine frühere Studentin trifft, die ihm als Immobilienmaklerin eine Wohnung verkaufen will und einer kleinen Filzlaus, die die Revolution aus einem Ostberliner Bordell bis in die höchsten Kreise der amerikanischen Regierung trägt. ... Doppelbödige Geschichten, lakonisch und skurril.
"Wunderbar traurig, volle Suggestivkraft - wie ein Kurzfilm." SPIEGEL Online --- Autorenportrait: Torsten Schulz, geboren 1959 in Ostberlin, ist seit 2002 Professor für Praktische Dramaturgie an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg. Er schrieb Drehbücher für zum Teil international preisgekrönte Spielfilme (u.a. „Raus aus der Haut“ und „Im Namen der Unschuld“), drehte Doku- mentarfilme ( u.a. „Von einer, die auszog...“). 2004 erschien sein erster Roman „Boxhagener Platz“ und 2008 der Erzählungsband „Revolution und Filzläuse“. Das Hörspiel „Boxhagener Platz“ erhielt diverse Auszeichnungen und der gleichnamige Spielfilm läuft derzeit in den Kinos. Torsten Schulz lebt heute in Berlin.
Sonntag, 16. Mai 2010, 19:00 Uhr
B U C H L E S U N G
Chaim Noll "Der Goldenen Löffel"
Lesung und Gesprächsabend mit dem Autor Chaim Noll und Vera Lengsfeld, Vorsitzende der Europäischen Kommission für Menschenrechte
Ein junger Mann in der DDR in den Siebziger Jahren. Sein Vater ist Funktionär, es geht ihm überdurchschnittlich gut, dass die Ehe der Eltern bröckelt, interessiert ihn kaum. Er verbringt die Tage im Haus der Künstlerfamilie seiner Freundin, die Mutter zieht Strippen von Ost nach West. Alle haben sich eingerichtet. Doch bald kommt dem jungen Mann die Liebe dazwischen, und Fragen stellen sich ihm, die ihn zu etwas ganz anderem werden lassen als einem hoffnungsvollen und begeisterten Kandidaten der Partei... Chaim Noll zeichnet in diesem erstmals 1989 erschienenen Roman ein schauriges Panorama der untergehenden DDR. Er erzählt von den Vergünstigungen der Parteifunktionäre, aber auch von ihren Ängsten, Beklemmungen und dem Willen, sich zu widersetzen. Von den Mechanismen, die Menschen zerstören, sie in Paranoia, in den Alkohol, ins Mittläufertum drängen – nicht nur in der DDR. „‘Der Goldene Löffel‘ ist das Buch eines jungen Mannes“, schreibt Chaim Noll. „Mein Gefühl, dass die Verhältnisse, die ich beschrieb, ihrem Ende zugingen, zeitigte eine Komprimiertheit des Stils, eine Geschwindigkeit im Duktus der Erzählung: atemlos aufeinander folgende Augenblicksaufnahmen, Dialoge, Reflexionen.“ --- Autorenportrait Chaim Noll wurde 1954 in Ost-Berlin geboren und wuchs als Sohn des Schriftstellers Dieter Noll in der Nomenklatura der DDR auf. Er studierte Kunst und Kunstgeschichte in Ost-Berlin, bevor er Anfang der 1980er Jahre den Wehrdienst verweigerte. 1983 siedelte er nach West-Berlin über und arbeitete dort als Journalist. Von 1992 bis 1995 lebte er in Rom und ging 1995 nach Israel. 1998 erhielt er die israelische Staatsbürgerschaft. Er veröffentlichte u.a.: „Der Abschied“ (1985), „Unheimliche Tage“ (1987), „Berliner Scharade“ (1987), „Der goldene Löffel“ (1989), „Nachtgedanken über Deutschland“ (1992), „Taube und Stern. Roma Hebraica - Eine Spurensuche „(1994), „Die Wüste lächelt“ (2001), „Meine Sprache wohnt woanders. Gedanken zu Deutschland und Israel“ (mit Lea Fleischmann, 2006). --- Lebenslauf Vera Lengsfeld Vera Lengsfeld, geboren 1952 in Sondershausen, gehörte zu den führenden Figuren der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Aufgewachsen in Ost-Berlin, studierte sie marxistische Philosophie und arbeitete an der Akademie der Wissenschaften der DDR und im Verlag „Neues Forum“. 1983 erhielt sie Berufsverbot wegen Proteste gegen die Stationierung sowjetischer Atomraketen in der DDR. 1985 nahm sie schließlich am Sprachenkonvikt der evangelischen Kirche in der DDR ein Theologiestudium auf. Sie organisierte maßgeblich verschiedene Friedenswerkstätten und Ökoseminare mit und begründete 1987 die Gruppe „Kirche von unten“ mit. Wegen „versuchter Zusammenrottung“ wurde sie im Januar 1988 im Vorfeld einer offiziellen Demonstration verhaftet und kam in die Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen. Nach Ihrer Abschiebung nach England kehrte sie im November 1989 in die DDR zurück. Sie war Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer und saß anschließend bis 2005 im Deutschen Bundestag. 2008 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und lebt heute als freie Autorin in Berlin.
Donnerstag, 25. März 2010, 19:00 Uhr
B U C H L E S U N G
Klaus Kordon "Krokodil im Nacken" und "Auf der Sonnenseite"
Leseabend mit dem Autor Klaus Kordon
Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Zelle 102. Hier sitzt Manfred Lenz. Seine Frau Hannah ist ebenfalls inhaftiert, die Kinder Silke und Michael sind im Heim untergebracht worden. Ein missglückter Fluchtversuch aus der DDR hat die Familie auseinander gerissen. Die Zeit im Gefängnis bedeutet Einsamkeit, Schikanen und endlose Stasi-Verhöre. In seiner Isolation lässt Manfred Lenz sein bisheriges Leben Revue passieren: Die Kneipe am Prenzlauer Berg, in der er nach dem Krieg aufgewachsen ist, der Einmarsch der sowjetischen Truppen auf dem Potsdamer Platz, der Tod der Mutter, das Kinderheim, das Jugendwohnheim - und dann die nur ein paar hundert Meter entfernte Grenze nach Westberlin. Der große Roman „Krokodil im Nacken“ erzählt mit bestechender Authentizität deutsch-deutsche Zeitgeschichte.
„Auf der Sonnenseite“ ist der zweite Teil einer bewegenden Lebensgeschichte: Hannah und Manfred Lenz sind von der BRD aus der Stasi-Haft freigekauft worden; ihre Kinder werden in der DDR im Heim festgehalten. Erst zwei Jahre später dürfen sie in den Westen ausreisen. Wie dort – »auf der Sonnenseite« – das Leben aussieht, erzählt Kordon, der meisterhafte Chronist deutscher Geschichte, mit großer Authentizität und viel Gespür für historische Momente. Darauf haben Manfred Lenz – das Alter Ego von Klaus Kordon – und seine Frau Hannah sehnsüchtig gewartet: Endlich dürfen ihre beiden Kinder in den Westen ausreisen. Nach Stasi-Haft und Kinderheim ist die Familie wieder vereint. Wie ein Fotoalbum aus Worten erzählt dieser Roman von glücklichen Tagen, vom Neuanfang im westdeutschen Wirtschaftswunderland. Lenz beginnt zu reisen, entdeckt die Ferne: zuerst als Exportkaufmann durch Osteuropa und später als Schriftsteller nach Australien und Südamerika. Aber ist er wirklich »auf der Sonnenseite« angelangt? Autorenportrait: Klaus Kordon wird 1943 in Berlin-Pankow geboren. Der Vater blieb im Krieg, die Mutter starb 1956. Er kam ins Kinderheim, später ins Jugendheim. Er studierte Volkswirtschaft und arbeitet im VEB Omnibus- und Lastwagen-Reparaturwerkstatt, direkt an der Grenze. Später im DDR-Außenhandelsunternehmen „intermed“. Die Flucht in den Westen missglückt. Kordon und seine Frau landen in der Stasi Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, die Kinder im Kinderheim. Nach einem Jahr politischer Haft in der DDR zog er in die BRD. 15 Jahre lebt er im Rhein-Main-Gebiet bis er schließlich 1988 nach West-Berlin zurückzieht. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Berlin und gilt als meisterhafter Chronist deutscher Geschichte. Seine etwa 50 Romane wurden in 19 Sprachen übersetzt und mit vielen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.
Donnerstag, 11. März 2010, 19:00 Uhr
B U C H L E S U N G
Ines Geipel und Andreas Petersen "Black Box DDR - Unerzählte Leben unterm SED-Regime" Gesprächsabend mit dem Schweizer Journalisten Dr. Andreas Petersen
Die DDR, ein gefallener Staat, der sich hüben wie drüben der Wirklichkeit mehr und mehr entzieht. Doch wie dem Leerlauf aus Abwehr und Ignoranz entkommen? Wie das historische Vakuum fassen? Black Box DDR will konkretes Leben erzählen, mit seinen Hoffnungen, Aufbrüchen, Zufällen, Lieben und Krisen, mit kleinem Glück und brutalem Scheitern. Ein Erfahrungs-Container, durch vier Jahrzehnte, quer durch das „Kollektiv Ost“, durch alle Schichten, Berufe, Gruppierungen: vom geschassten Unternehmer der frühen DDR über die verschollene Tochter Walter Ulbrichts, von der Geschichte der Mauertoten, dem Attentäter Erich Honeckers bis zum Widerstand der Nonnen im Eichsfeld. Wie lebte man mit dem Projekt DDR? Was war möglich? Wo hörte der vermeintliche Spielraum auf? Was erzählt ein Ostberliner Kohlearbeiter, was ein Zeuge Jehovas, was eine Schülerin, die mit 15 Jahren von der Stasi zwangsverpflichtet wurde? Mit Beiträgen u. a. von Grit Poppe, Hans-Joachim Föller, Jochen Staadt, Benedict-Maria Mülder, Roman Grafe, Thomas Purschke.
Autorenvita Andreas Petersen ist Autor, promovierter Historiker und Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er studierte allgemeine und osteuropäische Geschichte an der Universität Zürich. Er ist Gründungspräsident des „Forums für Zeitzeugen“ in Aarau, publiziert u a. in der NZZ und arbeitet als Dokumentarfilmer („Erwin Jöris – zwischen Hitler und Stalin“, 2003). Ines Geipel ist Schriftstellerin, Professorin für Verssprache in Berlin und ehemalige Weltklasse-Sprinterin. Nach ihrem Germanistik-Studium in Jena floh sie 1989 nach Westdeutschland und studierte Philosophie in Darmstadt. Sie hat vielfach zur DDR und Nachwendethemen publiziert (Doping, Schulmassaker in Erfurt, unveröffentlichte Literatur in der DDR) und gesellschaftliche Debatten angeregt. Zuletzt erschien „Zensiert, verschwiegen, vergessen – Autorinnen in Ostdeutschland 1945 – 1989“.
B U C H L E S U N G Donnerstag, 11. Februar 2010, 19:30 Uhr
Karl-Heinz Baum und Roland Walter (Hrsg.) "... ehrlich und gewissenhaft ... - Mielkes Mannen gegen das Neue Forum"
Akribisch hat das DDR-Ministerium für Staatssicherheit unter seinem gefürchteten Minister Erich Mielke jahrzehntelang gearbeitet. Als sich die Bürgerbewegung organisierte, waren die Dämme schon fast gebrochen. Mielkes Mannen blieb es nur noch überlassen, das Protokoll des Abgesangs der DDR zu führen. Das zeigt eine Auswahl von Stasi-Aktenblättern aus der Region Chemnitz, die in diesem Buch dokumentiert sind. Ins Visier des MfS geriet besonders Martin Böttger, damals Mitbegründer des Neuen Forums in Sachsen. Seine Erinnerungen sowie jene von Karl-Heinz Baum, langjähriger DDR-Korrespondent der Frankfurter Rundschau ergänzen den Band. --- Pressestimmen „Was wären alle Darstellungen zur DDR-Geschichte wert, wenn sie nicht durch Bücher flankiert würden, die zu verstehen helfen, wie es einzelnen Menschen ergangen ist? Dieser Aufgabe stellen sich die Herausgeber und Autoren in äußerst gelungener Weise. ... Dank kompetenter und glaubwürdiger Autoren ist ein beeindruckendes Buch gelungen.” Michael Richter, Totalitarismus und Demokratie, Hg. Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden „Noch vor dem Jubiläum ‘20 Jahre Herbstrevolution’ haben Karl-Heinz Baum und Roland Walter anhand der Ereignisse in Karl-Marx-Stadt im Herbst 1989 Maßstäbe gesetzt. Sie zeigen in einem teils jüngeren Lesern, teils Mitstreitern und Zeitgenossen aus Chemnitz ans Herz zu legenden Sachbuch anschaulich, wie lebendig sich IM-Berichte und Erinnerungen von Zeitzeugen verknüpfen lassen.“ Helmut Müller-Enbergs, HORCH und GUCK „Mit den dokumentierten Berichten gelingt es den Herausgebern die Unaufhaltsamkeit des ‘wind of change‘ zu belegen, der die Akteure des Neuen Forums zunächst empor getragen, dann aber ebenso unbarmherzig schnell fallen gelassen hat.” Matthias Kluge, Deutschland Archiv „Böttger ist einer der Vierzigjährigen, einer, der Verantwortung für eine große Familie hatte und der dennoch mit seiner Frau die Revolution wagte. Sie wollten nicht zusehen, wie ein Kind nach dem anderen die DDR verlassen würde. So gingen sie das Wagnis eines Lebens in der Wahrheit ein.” Peter A. Tüth, Rheinischer Merkur ---
Karl-Heinz Baum, geb. 1941 Breslau, Studium FU Berlin und Universität Mainz, seit 1966 freier Journalist in Mainz. 1977-1990 DDR-Korrespondent der Frankfurter Rundschau. Nach dem Ende der DDR politischer Redakteur im Berliner FR-Büro. Seit 2003 freier Journalist und Autor in Berlin. Martin Böttger, geb. 1947 Frankenhain/Sachsen. Physikstudium TU Dresden. Bei vielen oppositionellen Aktionen in der DDR dabei; gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) und 1989 zu denen des Neuen Forums. Leiter der Außenstelle Chemnitz der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.
Die Veranstaltung wird unterstützt von zba.BUCH Berlin (www.zba-buch.de).
Donnerstag, 14. Januar 2009, 19 Uhr B U C H L E S U N G
Christoph Links, Sybille Nitsche und Antje Taffelt "Das wunderbare Jahr der Anarchie - Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1989/90"
Es war zwar verboten, aber wir haben es trotzdem gemacht! Unter diesem Motto ist in Ostdeutschland zwischen Herbst 1989 und Herbst 1990 Geschichte geschrieben worden. Den erstarrten Verhältnissen in der DDR war nur beizukommen, wenn man sich über alte Regeln hinwegsetzte und das Neue mutig wagte. So wurden kurzerhand Bürgermeister und Betriebsleiter entmachtet, Kasernen und Gefängnisse belagert, Geheimdienstzentralen besetzt und Redakteursräte organisiert, Bürgerbewegungen und neue Parteien gegründet. Plötzlich spürten viele ihre Kraft und starteten in die spannendste Zeit ihres Lebens. Dutzende dieser Erinnerungen sind im vorliegenden Buch zusammengetragen worden, die das überraschende Ausmaß an Phantasie und kreativem Potential jener Zeit verdeutlichen, aber auch die Absurdität und Komik mancher Situation belegen. --- Pressestimmen Die Autoren Christoph Links, Antje Taffelt und Sybille Nitsche füllen eine Lücke: Sie sind ein Jahr lang durch die Ex-DDR gereist und haben vor Ort Abenteuergeschichten aus jenen Chaos-Tagen 1989/90 gesammelt - eine ebenso spannende wie rührende und naive Lektüre. Wolfgang Schuller, F.A.Z., 20.4.05 --- Autorenvita Dr. Christoph Links, Jahrgang 1954, geboren in Caputh/Potsdam, 1975–1980 Studium der Philosophie und Lateinamerikanistik in Berlin und Leipzig, 1980–1986 Lateinamerika-Redakteur bei der »»Berliner Zeitung«, nebenberuflich Sachbuchautor und Literaturrezensent für die Kulturzeitschrift »Sonntag«, 1986–1989 Assistent der Geschäftsleitung im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, Dezember 1989 Gründung des Ch. Links Verlages mit dem Schwerpunkt Politik und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, Mitglied im P.E.N.-Club (seit 1991), 1992–2002 Mitglied des Aufsichtsrates der Frankfurter Buchmesse, 1998–2005 Mitglied des Mittelstandsbeirates des Bundeswirtschaftsministeriums, 2008 Promotion am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität Berlin, zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen sowie Herausgaben zur Literatur- und Zeitgeschichte. Sybille Nitsche, Jahrgang 1960, Studium der Pädagogik in Berlin und Leipzig, 1984–87 Arbeit als Deutsch- und Geschichtslehrerin in Berlin, ab 1988 Redakteurin bei verschiedenen Zeitungen, seit 2003 freie Journalistin. Bücher im Ch. Links Verlag: »Das wunderbare Jahr der Anarchie. Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1989/90« (mit Christoph Links und Antje Taffelt), 2004. Dr. Antje Taffelt, Jahrgang 1949, Dr. phil., Studium der Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Literaturgeschichte an der Akademie der Wissenschaften der DDR, Lektorin und Verlagsarbeit im Bereich Werbung und Presse, journalistische Tätigkeit, ab 1997 freie Sachbuchlektorin vornehmlich auf dem Gebiet der Zeitgeschichte. Bücher im Ch. Links Verlag: »Das wunderbare Jahr der Anarchie. Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1989/90« (mit Christoph Links und Sybille Nitsche), 2004.
Die Veranstaltung findet mit Unterstützung des Ch. Links Verlags statt (www.linksverlag.de).
B U C H L E S U N G Eberhard Behrens "Russland mit meinen Augen - Impressionen von der Wolga"
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Die Veranstaltung findet mit Unterstützung des Osteuropa Zentrum statt (www.osteuropa-zentrum.de).
Mittwoch, 9. Dezember 2009, 19 Uhr
B U C H L E S U N G Ulrich Stoll "Einmal Freiheit und zurück -Die Geschichte der DDR-Rückkehrer"
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