Vom Aufbruch 1989 zur Deutschen Einheit 1990


Vom Aufbruch 1989 zur Deutschen Einheit 1990

Artikel-Nr.: 4028951692316
Vom Aufbruch 1989 zur Deutschen Einheit 1990
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1990 ging für viele Deutsche ein Traum in Erfüllung: Das geteilte Deutschland hat sich wieder vereinigt. Grund genug, um 20 Jahre später jüngste Vergangenheit zu reflektieren. Im 17. Wittenberger Gespräch melden sich Wegbereiter der deutschen Einheit in der DDR wie Lothar de Maizière, Reinhard Höppner, Rainer Eppelmann und Axel Noack zu Wort. Aufbruch zur Einheit - Frühjahr 1990 1989 haben die Menschen in der DDR für ihre Freiheit gekämpft. Nach dem Mauerfall schöpfen sie im Jahr 1990 ihre neuen Möglichkeiten aus: In Werdau wird eine unabhängige Zeitung gegründet, die Schützes bauen in Zschopau einen eigenen Obstladen auf und Stefanie Rehm stellt sich als Kandidatin für die ersten freien und geheimen Volkskammerwahlen auf. Hans Steinhoff und Personal vor alter Gaststätte Schierke Hans Steinhoff und Personal vor der Suppenküche auf dem Brocken Eine Wanderung auf den Brocken - unvorstellbar noch im Jahr 1989, auch für Hans Steinhoff: "Um den Brocken war die Mauer. Wir haben immer nur sehnsüchtig hinauf geschaut, das war der höchste Berg der Welt für uns - unbesteigbar." Erst im Dezember wird der Grenzbereich geöffnet. Von einem Tag auf den anderen zieht das ehemalige militärische Sperrgebiet 6.000 Besucher aus Westdeutschland an. Die Touristen bringen Hans Steinhoff auf eine Idee: Er beantragt bei der Stadt Schierke die Lizenz, im alten Bahnhof einen Suppenverkauf zu eröffnen. Im Januar 1990 wird Hans Steinhoff der erste Brockenwirt. Erste unabhängige Zeitung "Die Aufbruchstimmung war mit der Maueröffnung nicht verflogen. Es gab noch viele Leute, die bewusst versuchten, etwas mitzugestalten", so erlebte Georg Meusel aus Werdau das Jahr 1990. Zusammen mit anderen aktiven Mitgliedern des Runden Tisches gründete er das Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt. Die Redakteure arbeiteten ohne Telefon und tippten ihre Artikel auf der Schreibmaschine. Diese Mühen nahmen die Zeitungsmacher hin - sie wollten Ungerechtigkeiten der DDR aufdecken und unabhängig berichten. * Zeitzeuge Georg Meusel, Zeitungsgründer Zum Beispiel über die Aussprache von Polizei und Bürgern in der Dorfkirche von Ruppertsgrün: Im Oktober 1989 hatte es einen brutalen Einsatz an den Gleisen des Bogendreiecks nahe Werdau gegeben. Neues Forum und Kirche vermitteln nun und Georg Meusel schreibt einen Artikel über die Friedensstiftung - eigentlich für die Freie Presse. Doch die druckt ihn nicht. "Im Frühjahr 1990 gab es also noch Zensur, obwohl sich die Zeitung im Januar von der SED unabhängig erklärt hat", musste Georg Meusel feststellen. Seinen Artikel veröffentlichte er im Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt, das sich als alternative Zeitung beweisen konnte. * Zeitzeuge Reinhard Günther, Volkspolizist Harry S. Morgan an der Kamera Harry S. Morgan an der Kamera Pornoproduktion in Plattenbauten Die Freikörperkultur der DDR zog den Porno-Produzenten Harry S. Morgan aus Düsseldorf nach Halle. Über Anzeigen in Zeitschriften nahm er mit Pärchen Kontakt auf, die ihr Sexualleben vor der Kamera zeigen wollten. Mit Amateuren zu arbeiten, war auch für Harry S. Morgan eine neue Herausforderung. Die Überraschung war für ihn aber eine ganz andere: "Ich habe gefragt, warum ich nichts höre, ob sie nicht auch laut können. Die Antwort war, dass die Nachbarn alles mithören, weil die Wände in den Plattenbauten so dünn waren." Quellegeschäft Weida, innen Quellegeschäft Weida, innen Avocados und andere West-Produkte Nach ihrer Ausreise 1984 führen die Eglers in Franken einen Quelle-Versandshop. Mit dem Umbruch in der DDR zieht es sie zurück in die alte Heimat, das thüringische Weida. Ihre Idee: den ersten Quelle-Versandshop im Osten zu eröffnen. Sie stoßen auf Skepsis im Unternehmen, erst als der Konkurrent Otto einen Laden in Leipzig plant, bekommen sie die Zusage. Und plötzlich muss es schnell gehen. "Wir hatten nur zehn Tage Zeit, den Laden komplett herzurichten: Schaufenster, Regale, Elektrik, Fußboden. Es war sehr, sehr kurzfristig", erzählt Klaus Egler. Am Tag der Eröffnung stehen so viele Menschen vor dem Laden, dass die Eglers sie nur grüppchenweise hindurch führen können. "Wir haben dann Bestellungen aus der ganzen Republik bekommen. Es war ein wahnsinniges Interesse", so Barbara Egler. * Zeitzeugen Barbara und Klaus Egler, Ladenbesitzer Auch im erzgebirgischen Zschopau erwacht der Unternehmergeist: Die Schützes waren bisher Angestellte der staatlichen Handelsorganisation HO. Nun wollen sie ihren eigenen Obst- und Gemüseladen aufbauen. Einen Laden anzumieten kam nicht in Frage, so Karin Schütze: "Wir hatten eine große Garage, und im Hausflur haben wir Tische aufgebaut." Und der Einkauf dort wird zum exotischen Erlebnis, auch für die Verkäuferin Karin Schütze: "Orangen, Pfirsiche, Nektarinen - das kannten wir bisher gar nicht. Wir wussten nicht mal, was eine Avocado ist und was man damit überhaupt macht." Einfahrt AWE Eisenach Einfahrt AWE Eisenach Opel statt Wartburg "Der Wartburg kostete in der Herstellung 30.000 Mark, verkauft wurde er für 20.000 Mark", sagt Klaus Liedtke, Chef des Automobilwerkes Eisenach (AWE). Und auch die Qualität der Fahrzeuge konnte nicht mit den westlichen Autos mithalten. Liedtke war schnell klar, dass AWE eine neue Perspektive finden musste, und verhandelte mit Volkswagen, BMW und Opel. Im März präsentiert sich Opels Mutterkonzern General Motors vor den Fahrzeugbauern des Eisenacher Automobilwerks. Der Betriebsrat und die Belegschaft stimmen zu, zwei Wochen später werden die Verträge zur Übernahme unterschrieben. Klaus Liedtke ist erleichtert: "Wenn das Engagement mit Opel nicht funktioniert hätte, dann hätte die Region Eisenach wirtschaftlich sehr schlecht dagestanden." * Zeitzeuge Klaus Reißig, AWE-Betriebsrat Freie Wahlen in der DDR Die Englischlehrerin Stefanie Rehm aus dem Erzgebirge entschied nach einem ungewöhnlichen Erlebnis, sich politisch zu engagieren: Bei der österreichisch-ungarischen Grenzöffnung im August 1989 war sie schon auf österreichischem Gebiet, kehrte aber wieder um, weil ihr Mann und ihre kranke Mutter Zuhause auf sie warteten. "Da habe ich gesagt, nun will ich mit an die Spitze der Bewegung und versuchen, dass wir etwas verändern können." Sie nimmt an den Montagsdemonstrationen in Leipzig teil und wird von der Ost-CDU als Kandidatin für die Wahl zur Volkskammer aufgestellt. Bei den ersten freien und geheimen Wahlen der DDR wird Stefanie Rehm gewählt. Über die Frauenquote wird sie nach drei Tagen ins Präsidium der Volkskammer berufen, und lernt bei ihrer Arbeit später erfolgreiche Politiker wie Matthias Platzeck und Angela Merkel kennen. * Zeitzeuge Stefanie Rehm, Kultusministerin Zeitungsartikel von Hanno Müller zu Buchenwald Zeitungsartikel von Hanno Müller zu Buchenwald Recherche: Geheime Speziallager Die Zeit der Nachkriegsjahre im Konzentrationslager Buchenwald waren in der DDR ein Tabuthema. Doch in der Umbruchszeit 1990 beginnen einige Bürger, Fragen zu stellen. Frau Brauer, deren Vater Häftling im Speziallager der sowjetischen Besatzungsmacht in Buchenwald war, richtet sich an die Thüringer Landeszeitung. Hanno Müller nimmt sich dort des umstrittenen Themas an: "Ich war sehr, sehr vorsichtig. Das Letzte, was ich gewollt hätte, wäre die Geschichte zu relativieren." Seine ersten Veröffentlichungen rufen riesige Resonanz hervor: "Ich hatte so etwas noch nie zuvor erlebt. Dass Leute ihre Meinung äußern wollten, darauf bestanden haben, dass ihre Briefe veröffentlicht werden. Es kamen Zuschriften aus der gesamten Bundesrepublik." Und Hanno Müller bekam den Tipp, sich im Wald hinter dem KZ-Gelände umzusehen. "Wir entdeckten Stellen, wo die Knochen teilweise offen im Wald lagen. Dort stellten im Laufe des Frühjahrs 1990 immer mehr Hinterbliebene Kreuze auf, sodass ein riesiger Wald an Kreuzen entstand." Ehemalige Opfer des Lagers, wie die Brauers, gründen Initiativgruppen. Hanno Müller sagt, diese Aufarbeitung sei für ihn eine Wendeschule gewesen. "Ich war ein in der DDR ausgebildeter Journalist, der alle Einschränkungen kannte. Es fiel mir nicht leicht, mit dem Thema umzugehen. Ich habe gelernt, zu differenzieren, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt." * Zeitzeuge Hanno Müller, Journalist

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