Letzte Einkehr


Letzte Einkehr

Artikel-Nr.: 978-3-499-26910-3
10,99

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Imre Kertész

Letzte Einkehr

Von der „Glückskatastrophe“ des Nobelpreises bis ins „Vorzimmer des Todes“ reicht der Bogen dieses Tagebuchromans. Das Glück eines neuen Lebens in Berlin, Reisen, weltweiter Ruhm auf der einen Seite, auf der anderen schmerzliche Selbstentfremdung durch die neue öffentliche Rolle, Krankheit und Verfall: Letzte Einkehr ist die gnadenlos dargebotene „Geschichte eines Erkaltens“, durch die sich wie ein roter Faden der Plan zu einem letzten, radikal persönlichen Buch mit dem Titel Letzte Einkehr zieht.

Im Gegensatz zu seinem berühmten „Galeerentagebuch“, das eine Komposition aus den jahrzehntelangen Aufzeichnungen während der inneren Emigration im sozialistischen Ungarn darstellt, handelt es sich bei den hier vorgelegten späten Tagebüchern von Imre Kertész um ein unbearbeitetes, ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedachtes „journal intime“ von überraschender, oft verstörender Offenheit. Es umfaßt die Jahre seiner äußeren Emigration – die Loslösung von Ungarn, dessen postsozialistische Entwicklung ihn immer stärker an präfaschistische Zeiten erinnert, und die Niederlassung in der Wahlheimat Berlin, wo ihn 2002 die „Glückskatastrophe“ des Nobelpreises ereilt.

Das damit verbundene „rare Geschenk guten Lebens“ weiß er nach Jahrzehnten äußerster Einschränkung zwar durchaus zu genießen – exklusive Restaurants in Berlin, Paris und New York oder die Luxushotels von Gstaad und Madeira –, doch stärker sind die Aufzeichnungen ab jetzt von den Klagen über die „erwürgenden Anforderungen des Ruhms“ und die dadurch einsetzende Selbstentfremdung grundiert, über das Nachlassen der Schaffenskraft und den „unerträglichen Terror des Alters“. Ein „Trivialitäten-Tagebuch“ nennt er sein Diarium schließlich.

Von der gewohnten Schärfe seiner zeitdiagnostischen und ästhetischen Reflexionen, der Prägnanz der Momentaufnahmen haben seine Tagebücher indes nichts verloren. Leitmotiv bleibt das Schreiben, das Ringen um die Gestaltung der in diesen Jahren entstehenden Prosawerke „Liquidation“ und „Dossier K.“ sowie des geplanten „Sonderberg“-Romans. Schreiben ist für ihn die einzige Legitimation seines Lebens. Als Krankheit und Schmerzen dominieren, macht er sich mit unerhörter Kühnheit zum gnadenlosen Chronisten des eigenen Verfalls „im Vorzimmer des Todes“.

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