Hilde Benjamin - Eine Biographie


Hilde Benjamin - Eine Biographie

Artikel-Nr.: 978-3-87061-609-0
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Andrea Feth

Hilde Benjamin - Eine Biographie 

Hilde Benjamin, bekannt und berüchtigt unter Namen wie "Rote Hilde" oder "Blutige Hilde", ist seit der Gründung der DDR das Symbol der DDR-Justiz. Ihr Weg von der politisch interessierten Tochter aus liberalbürgerlichem Elternhaus der Kaiserzeit zur überzeugten Kommunistin in der Weimarer Republik, Verfolgten des Nazi-Regimes und schließlich führenden DDR-Justizpolitikerin ist kein Einzelschicksal, sondern typisch für die Lebensläufe vieler Politiker der DDR.

Hilde Benjamin, geborene Lange. In der ersten Halbzeit des Versuchs, einen ostdeutschen Sozialismus aufzubauen, hatte sie neben Walter Ulbricht im Westen den schlechtesten Ruf. "Die rote Hilde". In den zwanziger Jahren war das liebevoll gemeint. So wurde die kommunistische Rechtsanwältin von kommunistischen Arbeitern genannt, für die sie im Berliner Wedding gearbeitet hat. In den fünfziger Jahren wurde im Westen daraus ein Kampfbegriff, der auf Terror- und Todesurteile anspielte, die sie zu verantworten hatte als Vorsitzende des politischen Strafsenats des Obersten Gerichts der DDR.

Noch vor kurzem ist sie von Rudolf Wassermann mit Roland Freisler verglichen worden. Aber Andrea Feth zeigt, daß es Unterschiede gibt. Der Blutrichter Hitlers hat 2400 Todesurteile gesprochen, mit gutem Gewissen. Hilde Benjamin hat zwei Todesurteile verkündet, mit eher schlechtem Gewissen, wie sich beweisen läßt. Während Freisler in seinen Verhandlungen tobte und schrie und Angeklagte beleidigte, blieb Hilde Benjamin bewußt ruhig und korrekt, "eine gebildete ältere Dame mit guten Umgangsformen". Ihre Zuchthausstrafen waren allerdings barbarisch hoch.

Das war übrigens eines ihrer Probleme in der DDR, die gebildete Dame mit den guten Umgangsformen. Sie hat zwar eine große Karriere gemacht als Vizepräsidentin des Obersten Gerichts und Ministerin für Justiz. Aber es fehlte der proletarische Stallgeruch. Sie war eine bürgerliche Studierte und den meisten in der Führungsspitze auch intellektuell überlegen. Das hat man nicht gern. Und so konnte sie die Höhen des Politbüros nie erklimmen. Hier liegt, vermutet Andrea Feth zu Recht, einer der Gründe für ihre stramme politische Haltung, nämlich der Makel einer Herkunft aus der falschen Klasse.

"Mein Bruder wird in einigen Tagen ein sympathisches junges Mädchen heiraten, eine Freundin meiner Schwester, die er zur Kommunistin sich herangebildet hat. Es haben also seine christlichen Schwiegereltern in einen doppelt bitteren Apfel zu beißen", schrieb 1926 der Schriftsteller und Philosoph Walter Benjamin an einen Freund. Sie war damals 24 Jahre alt und gerade fertig mit ihrem Jurastudium, das sie sich als Werkstudentin selbst verdienen mußte, weil das väterliche Vermögen durch die Inflation ruiniert war. Ihr Mann, Georg Benjamin, kam aus einer ziemlich reichen jüdischen Familie, hatte Medizin studiert, war Mitglied der KPD und Schularzt im Wedding, wo sie drei Jahre später - nach dem Assessorexamen - ihre Kanzlei eröffnete und als Anwältin die Härte der Arbeiternot am Ende der Weimarer Zeit erlebte, in Kündigungsprozessen vor den Arbeitsgerichten, dann die Kündigungsklagen wegen der Wohnung und schließlich auch manchen Strafprozeß. Hier wurde sie die "rote Hilde vom Wedding".

Eindrucksvoll beschreibt Andrea Feth ein intellektuelles kommunistisches Paar in einem Arbeiterbezirk, eine harmonische Ehe mit einem Sohn, der kurz vor Hitlers Machtübernahme geboren wird.

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