Johann Knief - ein unvollendetes Leben - Gerhard Engel
Artikel-Nr.: 9783320022495
Von Gerhard Engel
Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus, Band XV
464 Seiten, 25 Abbildungen, Hardcover
Die Zustimmung der Reichstagsfraktion der Sozialdemokratischen
Partei Deutschlands (SPD) zu den Kriegskrediten am 4. August 1914
markierte den Ausgangspunkt für den Zerfall der Partei in drei Teile: in
die Kriegsbefürworter, denen es gelang, die Mehrheit der Mitglieder
hinter sich zu bringen; in die Kriegszielkritiker, die sich zu Ostern
1917 als Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) zu einer eigenen
politischen Gruppierung zusammenfanden – und in die radikale Linke, die
den Krieg prinzipiell ablehnte und in der Novemberrevolution 1918 die
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) bildete.
Heute ist weitgehend vergessen, dass die KPD sich nicht nur aus der
Spartakusgruppe um Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Karl Liebknecht
speiste, sondern daneben eine zweite Quellpartei existierte: die
»Internationalen Kommunisten Deutschlands«.
Ebenso vergessen ist der Motor dieser Quellpartei: Johann Knief
(1880–1919), Kopf der Bremer Linksradikalen, ein selbständig denkender
und handelnder Mann, Lehrer, Redakteur und Musikrezensent.
Knief kämpfte seit Kriegsbeginn nicht nur gegen die SPD-Führung, sondern
auch gegen die gemäßigten Linken. Er war der Erste, der – schon ab 1915
– die Bildung einer linksradikalen Partei vorantrieb.
Im April 1919 verstarb er, neununddreißigjährig, an einer verschleppten
Blinddarmentzündung. Als seine Frau 1926 seine Urne aus dem Büro der
Bremer KPD holte, hatten die Genossen ihren Genossen längst vergessen.