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Schalck - Golodkowski: Der Mann, der die DDR retten wollte
Artikel-Nr.: 9783360018410
12,95

Preis inkl. MwSt.

Alexander Schalck-Golodkowski war formal Staatssekretär und Chef des Bereichs Kommerzielle Koordinierung im Ministerium für Außenhandel, tatsächlich war er einer der wichtigsten Unterhändler in den deutsch-deutschen Beziehungen. 1983 besorgte er mit der Hilfe von Franz Josef Strauß Milliardenkredite für die DDR. Viel ist über ihn und seine Rolle geschrieben und gemutmaßt worden, und auch seine eigenen Auskünfte ließen brisante Fragen offen. Die Geschichten von und über Schalck in diesem neuen Buch geben exklusiv Antwort.

Historiker Manfred Wilke: "Schalck-Golodkowski war Verbrecher und Karrierist"

Anhänger von Schalck-Golodkowski nehmen den Devisenbeschaffer in Schutz. Seine Koko sei vom Westen zu ihren krummen Geschäften gezwungen worden - ist was dran?

Schalck-Golodkowski trat ausgerechnet nach der Niederschlagung des Volksaufstandes von 1953 in die SED ein. Wurde er dazu auch vom Westen gezwungen? Wenn man die Prämissen akzeptiert, dass die SED eine Wirtschaftspolitik betrieb, die die DDR mittel- und langfristig ruinierte, statt die Wirtschaft effektiver zu gestalten, dann lag der KoKo-Chef mit seinen Geschäften richtig.  

Warum konnten weder Anklagen noch der Untersuchungsausschuss des Bundestages Schalck etwas anhaben?

Der Ausschuss war hochpolitisch. Er befasst sich mit den KoKo-Firmen im Westen, sie dienten übrigens auch der Arbeitsbeschaffung für Funktionäre der DKP. Die Ehefrau des DKP-Vorsitzende Mies bezog ein üppiges Gehalt. Einer der letzten wichtigen Gesprächspartner Schalcks vor dem DDR-Ende war Wolfgang Schäuble , viele Jahre Chef des Bundeskanzleramtes und zuständig für die innerdeutsche Politik. Der Westen ist im Schalck-Thema voll involviert, das wollte man kurz nach der Vereinigung lieber nicht so genau wissen.

Hielt Schalcks KoKo die DDR quasi allein am Leben?

Er war der Devisenbeschaffer. Aber es gibt noch zwei andere Verbindungsleute zum Westen: Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, der den Häftlingsfreikauf als eine Art Menschenhandel organisierte, obwohl dies das Strafgesetzbuch der DDR unter Strafe stellte. Und Manfred Stolpe, Konsistorialpräsident des Bundes der Evangelischen Kirche in Deutschland, der an der Abwicklung der Kirchengeschäfte mit der EKD aktiv beteiligt war. Meines Wissens hat die EKD nie offen gelegt, wie viel der Wiederaufbau des Berliner Doms den westdeutschen Steuerzahler gekostet hat. Für die DDR war es ein wichtiges Prestige-Objekt.

Angeblich sorgte Schalck mit seinen Kontakten auch für humanitäre Erleichterungen.

Das meiste davon ist Legende. Nach den Ost- und Grundlagenverträgen und der Anerkennung der DDR ging die SED zunächst auf Abgrenzungskurs. Ihren Staat wollte sie als neue sozialistische deutsche Nation verstanden wissen, zwischen Ost und West lief da wenig. Nach der Guillaume-Affäre und dem Rücktritt Willy Brandts schoben Erich Honecker und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Herbert Wehner - zwei, die sich 1934 als KPD-Mitglieder im Saarland kennengelernt hatten - neue Projekte an, wie den Autobahnbau nach Hamburg oder die Reparatur der Brücke beim Grenzübergang Hirschberg in Thüringen. Verbunden waren die DM-Gaben immer mit der Forderung Bonns nach menschlichen Erleichterungen. Dieser Handel galt unabhängig von Schalck bis zum November 1989. Danach forderte Kohl einen generellen Machtverzicht der SED als Preis für Kredite.  

Als die DDR am Rande der Zahlungsunfähigkeit stand, gab es die Milliardenkredite aus Bayern. Wie kam es dazu?

Nach dem Bundeskanzler Kohl seinen Vorgänger Schmidt abgelöst hatte, witterte Strauß wohl die Chance, Freund und Feind zu überraschen. Er besorgte Erich Honecker die fehlenden Milliarden. Die Abwicklung hat Schalck organisiert. Moskau war der Kredit gar nicht recht. 1984 verbot die sowjetische Führung Honecker eine Reise nach Bonn. Als Bauernopfer musste Herbert Häber herhalten, der als Leiter der Westabteilung des ZK der SED enge Kontakte zu Politikern der Bundesrepublik aufgebaut hatte. Danach war Schalck-Golodkowski noch mächtiger.

War Schalck ein Verbrecher?

Er war ein Mann des Systems und hat sich in ihm ein Feld gesucht, das ihm persönlichen Nutzen und Freiheiten brachte. Im kleinen Kreis haderte er damit, dass DDR ökonomisch am Ende war und die Altherren im ZK zu keinerlei Änderung bereit waren. Putschen kam für ihn nicht in Frage, in den Westen wollte er nicht gehen, also machte er weiter als Nothelfer. Insofern, als er der kommunistischen Diktatur auch als Stasi-Offizier gedient hat, ist er für mich sowohl ein Verbrecher als auch ein erfolgreicher Karrierist. 1989/1990 war er dem BND behilflich. Er wohnt am Tegernsee - nicht ohne Grund.


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