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Haft & Verfolgung

Haft & Verfolgung

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Menschen im Spiegel der Zeit von Ursula Rumin

Artikel-Nr.: 9783828029910

Krieg und Frieden, Liebe und Schmerz, Ost und West, Willkür und Güte wechselvoll gestaltet sich das Schicksal der Erzählerin und das vieler ihrer Wegbegleiter. Wie sehr die Menschen des 20. Jahrhunderts von ihrer Zeit geprägt wurden, schildert Ursula Rumin. Sie verknüpft neue Texte und markante Episoden aus früheren Publikationen zu einem komplexen Mosaik der Humanität. Revue-Ballett mitten im Krieg, Flucht aus der schlesischen Heimat, schwieriger Neubeginn aus dem Nichts heraus, Höhen und Tiefen der Liebe Ursula Rumin hat viel erlebt und viel zu erzählen. Als sie zwischen die Fronten des Kalten Krieges geriet, begann eine existenzielle Odyssee durchs russische Polargebiet. Erst drei Jahre später konnte sie ins Leben zurückkehren, beruflich wie privat Fuß fassen. In diesem mitreißenden Zeitzeugen- und Lebensbericht liegen Gut und Böse, Freud und Leid dicht beieinander.

 

12,90 *

Hafterlebnisse eines DDR-Bürgers 1.Teil von Jürgen Brand

Artikel-Nr.: 978-3-8442-2090-2

Als der Ausreiseantrag damal abgelehnt wurde und ich bedroht wurde diesen zurückzunehmen, legte ich die Arbeit nieder. Nachdem ich mehrfach von der Stasi und der Polizei vernommen wurde verhaftete man mich 1976.Ich bekam 20 Monate Gefängnis von diesem Unterdrücker-Staat aufgebrummt. Weil ich auch in der Haft die Zwangsarbeit verweigerte bekam ich ständig Einzelhaft und Arrest.Ich musste Hungern und war den harten Haftbedingungen ausgesetzt.

Leider blieb es nicht bei der einen Gefängnisstrafe sondern ich musste noch mehr an Monate und Jahre sitzen.Warum?

Ich wollte nur Frei sein und die DDR verlassen.

11,90 *

Meine Gefängnis-und Stasiakten - Jürgen Brand

Artikel-Nr.: 978-3-8442-2089-6

Die Akten belegen meine Behauptungen. Bei Ämter und der Stasi hatte ich in meinen jugendlichen Leichtsinn gesagt das wenn ich eine Waffe hätte,ich mir meinen Weg freischießen werde.Meine Wohnverhältnisse verglich ich mit einem Niggerviertel und Slams von den USA. In den Akten steht eigendlich nur Schwachsinn vom Geheimdienst der DDR.Ich war doch kein Täter sondern nur das Opfer einer Willkür des Kommuistischen Regimes. Ich bin Rehabilitiert und habe Entschädigungen erhalten.

11,80 *

Sowjetisches Untersuchungsgefängnis Leistikowstraße Potsdam

Artikel-Nr.: 9783863310721

Ines Reich · Maria Schultz (Hrsg.)

Sowjetisches Untersuchungsgefängnis Leistikowstraße Potsdam

Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Band 33

Die Dauerausstellung erzählt auf etwa 1000 m2 die Geschichte des zentralen Untersuchungsgefängnisses der sowjetischen Spionageabwehr in der Potsdamer Leistikowstraße. Erinnerungsstücke, Alltagsgegenstände, Fotos und Dokumente sowie Filme und Hörstationen veranschaulichen, wie Menschen in vollkommener Isolation und unter katastrophalen Haftbedingungen gelitten haben. Einen Schwerpunkt bilden die Schicksale ehemaliger Häftlinge, insgesamt werden auf drei Etagen 50 Lebensgeschichten vorgestellt. Außerdem informiert die Ausstellung über Strukturen und Personal der sowjetischen Spionageabwehr, die das Gefängnis bis 1989 betrieb. Neunzehn ausführliche Häftlingsbiografien findet der Besucher in drei Räumen im südlichen Flügel des Obergeschosses, in denen der Geheimdienst Häftlinge in Sammelzellen einsperrte. Der Katalog dokumentiert die gesamte Ausstellung mit allen Texten und Abbildungen von vielen der gezeigten Dokumente, Fotos und Objekte.

19,00 *

Strafvollzugsanstalt Rummelsburg 1951 1990 von Heike Hoffmeister

Artikel-Nr.: Strafvollzug

60seitige Broschüre „Strafvollzugsanstalt Rummelsburg 1951-1990“ +- Faltplan „Berlin-Rummelsburg: Ein preußisches Arbeitshaus im Wandel der Zeit, 1877-heute“, Übersicht über alle zeitlichen Epochen

faltplan.jpg

3,50 *

Gulag: Spuren und Zeugnisse 1929-1956

Artikel-Nr.: 9783835310506

Eine reich bebilderte Einführung in die Geschichte des sowjetischen "Gulag".Eröffnung der gleichnamigen Wanderausstellung am 29. April 2012 im Schloss Neuhardenberg und am am 19. August 2012 im Schiller-Museum Weimar.Die Abkürzung "Gulag" steht für die 1930 gegründete "Hauptverwaltung der Lager" (Glawnoje Uprawlenije Lagerej), die für die Organisation und Verwaltung der Straflager in der Sowjetunion zuständig war. Mit dem Begriff wird zugleich das System von Lagern bezeichnet, das sich über die gesamte Sowjetunion erstreckte. Insgesamt 20 Millionen Häftlinge mussten dort unter oft extremen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Erstmals zeigt dieser Katalog zahlreiche Dokumente und Relikte aus den sowjetischen Zwangsarbeitslagern, darunter viele aus dem Besitz ehemaliger Häftlinge. Aus ihrer Perspektive werden Geschichte und Erfahrung des Gulag 1929 bis 1956 rekonstruiert. Gleichzeitig wird so die eindrucksvolle Sammlung der Gesellschaft MEMORIAL Moskau zum ersten Mal außerhalb Russlands umfassend präsentiert. Nicolas Werth führt in die Geschichte des sowjetischen Zwangsarbeitslagersystems und die Entwicklung der Gulag-Forschung ein. Irina Scherbakowa beleuchtet Aufgabenfelder und Stellung der Gesellschaft MEMORIAL und unterstreicht dabei die Notwendigkeit einer systematischen Dokumentation und Bewahrung der historischen Erinnerung an den Gulag.

Volkhard Knigge, geb. 1954, ist Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und Mitglied der Expertenkommission für die Gedenkstätten des Bundes. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Konzentrationslager Buchenwald und zum Geschichtsbewußtsein in Deutschland.Irina Scherbakow, geboren 1953, ist promovierte Germanistin, Historikerin, Publizistin und Übersetzerin. Sie lehrt am Zentrum für Erzählte Geschichte und visuelle Anthropologie der Moskauer Afanassjew-Universität. 1994 Auszeichnung mit dem Katholischen Journalistenpreis. Die Autorin ist Koordinatorin des russischen Geschichtswettbewerbs für Jugendliche sowie seit 1999 Mitglied des Kuratoriums der Gedenkstätte Buchenwald in Weimar.

14,90 *

Herzwangen – oder Leben zu den Horizonten der Sehnsucht

Artikel-Nr.: 978-3-00-03777-1

Jürgen Schmidt-Pohl

Herzwangen ist alt geworden. Er hatte in seinem Leben alles gewinnen wollen und verlor dabei die Liebe seiner Frau. Durch eine schwere Krankheit wird er sich seines Irrweges bewußt und er versucht sich neu zu erfinden um die Liebe für sich erneut zu gewinnen. Doch Vertrauen ist verspielt und Hoffnung gibt es nicht, nicht auf alte oder neue Liebe, denn Herzwangen ist nahezu erblindet. Wie kommt man damit klar, in einem Alter, in dem es kaum noch Liebe gibt? Durch Kündigung und die Kapitalverhältnisse wird er aus seiner Wohnung und aus dem Ort seiner Sehnsucht an der Ostsee vertrieben, fort von der Vergangenheit seiner Liebe. Er geht zurück in die scheinbar vertraute, aber fremd gewordene Heimatstadt. Heimat hatte er lange verloren, als er während der Teilung Deutschlands von Ost nach West gegangen war.

Bereits beim Umzug in die neue Wohnung muß er feststellen, daß er in ein Haus geraten ist, in dem über ihm eine Männergemeinschaft aus arbeitsunwilligen Neonazis lebt, die ihn immer mehr durch ihr gewalttätiges Auftreten und ohrenbetäubendes Musikhören alter und neuer Nazi-Töne in seinem Leben stören, ja es in Frage stellen. Nach dem Martyrium der Liebe erlebt er jetzt eines der Gewalt. Schließlich bleibt ihm nur noch die Flucht, aus dieser Wohnung, dieser Stadt, diesem Land. Er erinnert sich an einen Mann weit im Westen Frankreichs, den er vor Jahren in der Augenklinik traf und der ihm eine Existenz dort angeboten hatte, in Gemeinschaft und Solidarität, wie er sie immer suchte, die ihm aber durch seinen Drang nach Freiheit und Individualismus versperrt gewesen war. Er macht sich auf die Reise dorthin, mit ungewissem Ausgang ... Die Fahrt nach Süden wird sein Martyrium der Erkenntnis. Auf der Reise, wie schon auf den Stationen vorher, reflektiert er über die Zeit, die Liebe, Gesellschaft und Zukunft, die eigene und die mögliche Entwicklung der Welt. Immer wieder ist ihm dabei die Vergangenheit aufstörend im Weg und seine Sinnsuche ist schmerzhaftes, erinnerndes Leben. Seine Reise wird auch zur Suche nach den Gründen des Verlustes seiner Liebe und er erkennt, was sie scheitern ließ in den Zeiten der Einheit, durch seinen wankelmütigen Sinn. Herzwangen hat in sich eine Wandlung vollzogen, vom politisch Aktiven hin zum Schreibenden, dem es daran liegt, zu verstehen und durch sein Schreiben andere verstehen zu lassen. Dies ist die Westlandfahrt eines Menschen, der spät feststellt, daß er sich in vielen Koordinaten irrte und der zulange nicht Bescheid wußte. Doch vielleicht findet er den Weg, Erkenntnis, Liebe und erfülltes Leben. Herzwangen hat Metamorphosen durchlebt, vom politisch Verfolgten zum Weltverbesserer, vom Liebenden zum Asketen. Er will endlich leben ohne an das Ende zu denken ...

Ein weiterer Entwicklungs- und Zeitroman des Menschen P. , der zu Herzwangen wurde und der, nach dem Erkenntnisbeginn in „Traum vom Finden“ hierin in einem Strom des Leids zum Treibgut wird, der alle Sicherheiten bisherigen Lebens einbüßt und für den die Welt kaum noch ein Versprechen, sondern eher Bedrohung ist ... 

296 Seiten
22,00 *

"... weine ich täglich um meinen Vater" - In der Gewalt Stalins und der SED

Artikel-Nr.: 978-3-8423-3102-0

Ronny Kabus

"... weine ich täglich um meinen Vater"

In der Gewalt Stalins und der SED

Ronny Kabus geht an konkreten Beispielen der Frage nach, wie die bis heute kolportierte "antifaschistisch-demokratische Neuordnung" in Wirklichkeit aussah, wie die zahlenmäßig starke und in der Bevölkerung verankerte Sozialdemokratie im Zuge der vorgesehenen Stalinisierung ausgeschaltet und die sich neu begründenden bürgerlichen Block-Parteien CDU und LDP ebenfalls mit Mitteln psychischer und physischer Gewalt "gesäubert" und gleichgeschaltet wurden. Gezeigt wird an vielen Einzelfällen, wie "Kapitalisten", Vertreter der Politik, der Verwaltung, der Kultur, der Kirchen und Bürger des Alltags unter den oft irrsinnigsten Anschuldigungen in den sowjetischen Speziallagern der SBZ, in den Gulags der Sowjetunion oder vor den Hinrichtungskommandos landeten und die Überlebenden oft weitere Jahre in den Zuchthäusern des SED-Regimes zubringen mussten. Dabei weist die vorliegende Untersuchung am Beispiel der damals östlichsten Großstadt Deutschlands, einer "Stadt mit der höchsten Umsiedlerdichte der SBZ", weit über den lokalen und regionalen Rahmen hinaus. DIN A5, 224 Seiten mit 151 S/W- und Farbabbildungen

14,90 *

Zwischen Waldheim und Workuta Erlebnisse politischer Häftlinge 1945 - 1965

Artikel-Nr.: 978-3-939721-13-0

Fritz Schüler

Zwischen Waldheim und Workuta Erlebnisse politischer Häftlinge 1945 - 1965

Das Arbeitslager Workuta (russisch Воркутинский исправительно-трудовой лагерь, Kurzform Воркутлаг, deutsch Workutaer Besserungsarbeitslager, auch Workuta-Internierungslager oder Gulag Workuta), war ein Besserungsarbeitslager für politisch Verfolgte und Kriegsgefangene in der Sowjetunion. Das Lager befand sich nahe der Stadt Workuta im Norden der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Komi. Das Workuta-Internierungslager in der Sowjetunion (siehe auch Gulag) in Workuta bestand offiziell vom 10. Mai 1938 bis mindestens 1960. Bereits vor 1938 existierte allerdings in dem Gebiet ein Zwangsarbeiterlager. Begleitet von Mitgliedern der GPU wurden schon im Juni 1929 Expeditionen – bestehend aus Geologen, die aus anderen Konzentrationslagern stammten und ihre Freilassung versprochen bekamen – in die nördlichen Regionen des Urals, der ASSR der Komi, ausgesandt, um herauszufinden, ob die bereits seit zaristischen Zeiten vermutete große Menge an Bodenschätzen dort vorzufinden sei. Spätestens nach Probebohrungen im Jahr 1931 wurde diese enormen Rohstoffvorkommen auch nachgewiesen und Schätzungen von 1937 zufolge war in der Region um Workuta mit etwa 37,5 Milliarden Tonnen Steinkohle (neben Erdgas, Erdöl u. a.) zu rechnen. Aufgrund des hohen Bedarfs an Kohle im Zuge der forcierten Industrialisierung der Sowjetunion, wurde daher 1929 in der unwirtlichen Gegend von Workuta, die kaum ein Arbeiter freiwillig betreten hätte, eine Siedlung durch die etwa 9.000 dahin verschleppten Zwangsarbeiter errichtet, um die Rohstoffe abzubauen.

5,00 *

Such dir einen zweiten Mann: Von Stasihaft in Leipzig und mecklenburgischem Landpastorenleben

Artikel-Nr.: 9783933255341

Von Stasi-Haft und möglichen Folgerungen für heute

50 Jahre sind seit dem Bau der Berliner Mauer und meiner anschließenden Verhaftung vergangen. In dem Buch „Such dir einen zweiten Mann“ ist dies nach Zugang zu den Akten mit vielen Dokumenten beschrieben. Es geht nicht um nachträgliche Verklärung von „politischem Widerstand“, – wir haben uns die Situationen damals nicht ausgesucht, sondern sind – so habe ich es immer gesehen – in sie hineingeführt; wir haben wie selbstverständlich reagiert, so naiv oder clever wie wir es als Theologiestudenten oder Lehrkräfte eben konnten. Für uns, besonders für meine Frau und mich, ist es eine große Erleichterung, dass es nach so vielen Jahren endlich Worte gibt dafür.

Die Frage, die mich umtreibt, heißt: wie gehen wir mit den Tatsachen und Erlebnissen möglichst so um, dass sie für die Zukunft fruchtbar werden und sich nicht wiederholen? Die Bundesrepublik erlebt z.Zt. mit Schrecken die Aufklärung einer zehnjährigen Mordserie an ausländischen Mitbürgern durch eine Neonazi-Gruppe. Die uralten Parolen haben sich nach so vielen Jahrzehnten immer noch nicht von selbst erledigt, obwohl das Regime nur 12 Jahre währte. Die SED regierte in Ostdeutschland 40 Jahre. Wie lange mag diese Ideologie nachwirken, wenn es an Auseinandersetzung damit fehlt?

Die Diktaturen haben, da sie gottlos antraten, eine andere Art heilige Begeisterung geschaffen, die emotional massenwirksam perfekt inszeniert war, die viel tiefer ging als uns bewusst und lieb war in Deutschland, wie wir rückschauend sehen. Diese Totalität macht es dem Einzelnen schwer, sich dem „ideologischen Sog“ zu entziehen und schließlich sich auch davon zu distanzieren. Deshalb ist allem Gefasel vom „Schlussstrich“ zu widerstehen, Irrtümer und Folgen der Diktatur sind zu benennen. Mit dem Rückzug ins Private, dem ständig geübten Verdrängen wird kein Problem gelöst, sondern nur auf nächste Generationen verschoben. Das verordnete Schweigen nimmt dem Menschen seine Kreativität und Lebensfreude, macht stumm und krank. Was hat wohl Russland und der Ostblock noch aufzuarbeiten? Der gewaltsame Versuch, die Welt zu verbessern, ist jedenfalls gescheitert.

Bei den Skrupellosigkeiten, die ich erlebt habe und zu reflektieren suche, kann ich nicht absehen von den heutigen Skrupellosigkeiten in der globalen Finanz- und Wirtschaftspolitik, die in aller Munde sind. Der Glaube an Geld und unbegrenzten Privatbesitz hat zu hemmungslosen Spekulationen und milliardenschweren Bankenpleiten geführt. Die Schulden übersieht kein Mensch mehr. Weltweit stehen Steuerzahler dafür ein. Von den Gewinnern, von Schuldigen, von Wiedergutmachung, wie in jedem anderen Schadensfall, ist keine Rede. Wirksame Schlussfolgerungen sind nicht mehrheitsfähig. Wenn es zu wenig internationale Gesetze gibt, gibt es dann auch keine Einsicht, selbst nicht unter den Christen in der Finanzbranche? Was bedeutet verbindliches Recht für menschliches Zusammenleben, für die Erhaltung der Erde und die Zukunft unserer Enkel? Jeder, der die Augen nicht verschließt, kann ahnen, wohin es führt, wenn wir unsere bisherige, solidarische Kultur aufgeben zu Gunsten von Privatinteressen.

Was sagt und tut Kirche in und nach all dem? Widersteht sie der Individualisierung? Ein weiteres Feld zum Umdenken: Wir erleben einen beispiellosen Umbruch: Seit etwa 1700 Jahren, Konstantin dem Großen, waren Volk und Kirche eins. Heute, bzw. in Zukunft, ist Kirche freiwillig, eine – „offensive“ – Minderheit wie sie mal am Anfang war.

Seit der sozialistischen Ära in Ostdeutschland ist eine Orientierung an jüdisch-christlichen Werten für viele total verpönt. Der Historiker Friedemann Stengel sagt(„Partizipation an der Macht“ in Zeitschr. für Theol. u. Kirche 2009, S. 412): „Die Quote von ursprünglich etwa 95% Kirchenmitgliedern in der DDR-Bevölkerung lag am Ende der DDR bei etwa 29% – ein europaweit einmaliger Prozess … Anzumerken ist der weitere Rückgang … nach 1990. Auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts lag die Quote 2004 beispielsweise bei etwa 17%)“. Viele sind innerlich heimatlos geworden, Suchende, glauben an zusammengereimte „Patchwork-Religion“ oder eben an das Geld. Andere resignieren total. Offiziell versteht sich die Europäische Union als eine (aus dem Christentum kommende) Wertegemeinschaft. Und gerade diese Grundlagen sind heute radikal angefragt.

Darum versuche ich, unsere Wurzeln zu benennen und Zugänge zu erschließen, soweit ich das denn vermag. Auf dem Hintergrund meiner Erfahrungen von Haft und Diktatur, die mich eine Zeitlang weit weg geführt haben von allem Glauben, verstehe ich mich als ein suchender Theologe. Aus der jüdisch-christlichen Tradition, die unsere europäische Kultur einmal geprägt hat, frage ich nach möglichen Folgerungen für gegenwärtige Kirche und Gesellschaft. Unsere Bibel, das wird klar, wenn man sich damit beschäftigt, sucht nicht privates, sondern gemeinsames Heil.

„Such dir einen zweiten Mann“, dieses Motto wurde schon am Anfang meines Berufes 1966 für mich wichtig – die maskuline Formulierung war damals noch kein Problem. Die Bedeutung eines/r Vertrauten wurde in einer zunehmend privatisierenden Gesellschaft immer stärker. Sie ist Erfahrung und Zielpunkt dieses ganzen Aufschreibens, weil mit dem „zweiten Menschen“ in der Minderheit Kirche eine zentrale biblische Verheißung sichtbar wird, die erstaunliche Alternativen zu unserem ganzen privaten Denken und Trachten bietet: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind“, sagt Jesus, „da bin ich mitten unter ihnen“ (Matth. 18,20).

Warin, den 17-01.2012                                 Willi Lange

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