Auch im Osten trägt man Westen


Auch im Osten trägt man Westen

Artikel-Nr.: 978-3-943774-11-5
18,00

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Gilbert Furian

Auch im Osten trägt man Westen

Punks in der DDR - und was aus ihnen geworden ist

„Wenn man geboren wird, hat man schon die Planstelle weg“, beklagt Lade 1982. „Wir haben einfach too much future“. Er, 18 Jahre alt, war Mitglied der Ost-Berliner Punk- Band Planlos. Ende der 70er Jahre schwappt die Punk-Welle von Großbritannien über Westdeutschland in die DDR über. Der Staat erkennt darin mehr als eine Jugendkultur. Er nimmt die Punks als potentielle Feinde von Anfang an ernst. Jugendliche, die über die Musik in die Szene kamen, werden politisiert, kriminalisiert. Doch bleibt Punk offiziell tabu, denn die Bewegung gilt als Folge der „imperialistischen Ausbeutung“, die Jugendlichen sämtliche Perspektiven nimmt. Somit sind die Jungs und Mädchen mit den bunten Haaren und den Lederjacken ein Paradoxon, das es einfach nicht geben darf.

Ein Phänomen, das in der medialen Öffentlichkeit nicht vorkommt. Der Autor Gilbert Furian gibt 1984 in Eigenverantwortung eine kopierte Broschüre heraus, die die Gespräche enthält, die er während der letzten zwei Jahren mit Punks geführt hat. Furian ahnt nicht, dass er sich längst im Visier der Staatssicherheit befindet.

Aufgrund seiner Veröffentlichung wird er wegen „öffentlicher Herabwürdigung“ (§ 220) und „ungesetzlicher Verbindungsaufnahme“ (§219) zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. 1999 nimmt Furian wieder Kontakt zu seinen damaligen Interviewpartnern auf und führt erneut Gespräche. Was ist aus den Ost-Punks der ersten Generation geworden und wie stehen sie heute zu ihrer Vergangenheit? Bernd-Michael Lade ist mittlerweile erfolgreicher „Tatort“-Schauspieler. Andere arbeiten als Radio-Redakteure, Theaterdramaturgen oder Physiotherapeuten. Punk war für die meisten eine prägende Phase, die nicht spurlos an ihren Protagonisten vorbei gegangen ist. Punk steht noch immer für das In-Frage-Stellen scheinbar unumstößlicher Tatsachen, für Individualismus statt Egoismus. Über too much future beschwert sich keiner mehr, denn „Es ist kalt geworden in Deutschland“, resümiert Bernd-Michael Lade. „Man muss zusammenhalten.“

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